Vergleicht man die vielen vulkanischen Durchbruchstellen im engeren Bereich der unterirdischen Abzugswege des vesickerten Donauwassers in Richtung der Aachquelle und allen anderen bisher bekannten Auftauchstellen im Gebiet des nördlichen Hegaues, so kann man sofort das enge räumliche Zusammenfallen der beiden Naturphänomene feststellen.
Dadurch ist die Fragestellung zulässig, ob und wie der Vulkanismus einen gewissen Beitrag zur Begünstigung der unterirdischen Wasserabzugswege geleistet haben könnte.
Zunächst ist gedanklich leicht nachvollziehbar, dass durch das Aufsteigen der Vulkanite eine starke mechanische und somit zerstörerische Kraft auf die dabei durchstossenen Gesteinspakete eingewirkt haben muß.
Erstaunlicherweise wird in der Fachliteratur auf diesen Umstand nirgendwo besonders eingegangen.
In den geologischen Profilen erscheinen nur Flexuren und Verwerfungen.
Dabei reichen die vulkanischen Durchbrüche ganz nahe an die Donauversickerung heran.
Viele Tuff~ bzw. Basaltschlote befinden sich exakt im relevanten Gebiet der um ca. 180m absteigenden Gewässer zur Bodensee-Hegaumulde bzw. zur Aachquelle hin.
Der Rückschluß zu dieser Tatsache ist nicht frappierend sondern auch zwingend:
Der Vulkanismus ist an der Freimachung der unterirdischen Wasserabzugswege beteiligt.
Ein zweiter wichtiger Aspekt ergibt sich aus den in längeren Zeiträumen stattgefundenen vulkanischen Exhalationen.
Solche Erscheinungen sind von vielen Vulkangebieten der Erde bekannt.
In den „Phlegräischen Feldern” bei Neapel tritt ständig ein 140°C heißer Wasserdampf aus. Der Kohlendioxidgehalt liegt dabei bei 9 Prozent!.
Im benachbarten Ort Pozzuoli tritt ein trockener CO2 Strom mit 25°C Wärme aus.
Auch für den Hegauvulkanismus können postvulkanische Erscheinungen nachgewiesen werden.
Hierzu gehören die Travertinbildungen von Riedöschingen, Kalksinterbildungen am Wannenberg, Kieselsintervorkommen am Philippsberg und die Gipslagerstätten am Hohenhewen. Auch die tertiäre Todesfalle für Säugetiere am ehemaligen Höwenegg-Kratersee muß hier angegeben werden. Möglicherweise sind diese Lebewesen hochgiftigen Gasaustritten zum Opfer gefallen.
Ein ganz besonders krasser Fall von solchen gefährlichen Vulkanausdünstungen ereignete sich z.B. im westafrikanischen Kamerun am dortigen Nyos-Kratersee. Im August 1986 kam es an diesem Maarsee vom Untergrund her zu einer spontanen Entgasung, wobei große Mengen Kohlendioxid freigesetzt wurden. Das kostete damals 1700 Menschen und sehr vielen Tieren das Leben. Der Vorgang ereignete sich offenbar unbemerkt in der Nacht. Bei Tag hätten sich die Vergiftungserscheinungen durch Schwindelanfälle und Kopfweh bemerkbar gemacht.
Als eine der Stellen im Hegau, wo durch vulkanisch bedingte zusätzliche chemische Einflüsse zur Dolinenbildung beigetragen haben könnten, wäre hier das eng zusammenliegende Dolinensystem am nördlichen Rand des Neuhewen-Vulkans anzuführen (Skandaldoline).
Starke Kohlendioxid-Ausdünstungen könnten den Auflösungsprozess des Juragesteins im bereits vorhandenen Spaltensystem lokal sehr begünstigt und beschleunigt haben. Hinzutretendes überheißes Wasser wäre für diesen Vorgang ebenfalls wirkungsvoll gewesen.
Im Bereich der mittleren Schwäbischen Alb käme für diesen Effekt die Laichinger Tiefenhöhle in Betracht. Auch sie liegt unmittelbar am südlichen Rand eines vulkanischen Trichters und entwässert zum Blautopf.
Roland Berka
Engen im Hegau
17. Juni 2007
Höhlentauchgruppe Aachprojekt
Text: Roland B+,
Layout: Joachim K+,
Letzte Änderung: 12.02.2008