Home -> Forschung -> Geologie -> Naturphänomen Donauversickerung   *   Nächste Seite

Das Naturphänomen Donauversickerung und die Aachquelle

 

von Roland Berka

 

Ein altes Sprichwort lautet: „Brigach und Breg – bringen die Donau zuweg.” Dies ist so auch wissenschaftlich bewiesen. Der Hauptquellfluss der Donau ist die Bregquelle nahe der Martinskapelle bei Furtwangen im Schwarzwald. Sie entspringt dort im Urgestein auf 1078m ü.d. Meer. Die Gesamtlänge des Donaustromes beträgt 2888km. Da der Hauptquellfluss erst im Jahr 1955 nach der weltweit gültigen geografischen Regel – „Der Ursprung eines Flusses liegt an der von der Mündung ins Meer entferntesten Quelle.” – festgelegt werden konnte, wurde die Kilometrierung an der Mole von Sulina am Schwarzen Meer in Rumänien mit Null begonnen.

 

An der Markungsgrenze Immendingen-Möhringen steht deshalb der Stromkilometerstein 2824. Zur Bregquelle sind es also noch 64 km. Diese Tatsache ist ein bemerkenswertes Kuriosum.

Von Donaueschingen bis Geisingen muss die Donau durch ein tektonisches Absenkungsgebiet zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb – die Baar. In diesem Bereich kommt es zu stark verringerter Flussgeschwindigkeit. Dadurch werden mehr als 120 Flussschlingen gebildet – die sogenannten Mäander.

Bei Geisingen werden erstmals die Gesteinsschichten des Weißen Jura erreicht. Diese etwa 120 Millionen Jahre alten Sedimentgesteine eines warmen und seichten Meeres, werden der Donau auf ihrem Weg zum Verhängnis. Zwischen Immendingen und Möhringen versickert die Donau jährlich auf mehr als 3km vollständig in den total zerklüfteten OXFORD-Kalksteinen (Weißjura-Beta).

Die „Immendinger Flexur”, tiefgreifende Brüche im Gesteinskörper, sowie die nach Süden sehr stark geneigte Jurafläche ermöglichen hier den unterirdischen Abfluss zur Bodensee-Hegausenke und damit auch zur Aachquelle

Dieser Quelltopf – die größte Quelle Deutschlands – liegt 183m tiefer als das Flussbett der Donau bei Möhringen. Dabei beträgt die Entfernung nur 12km Luftlinie! Unter diesen Umständen ist es nicht verwunderlich, dass sich das Donauwasser diesen kurzen Weg gesucht hat. Anstatt zum Schwarzen Meer, fließt die Donau über den Aachfluss bei Radolfzell in den Bodensee und somit der Nordsee zu!

Im Jahr 1874 wurde auf der Möhringer Markung erstmals ein totales Trockenfallen der Donau in den Sommermonaten beobachtet. Um 1900 waren es bereits 80 Tages im Jahr, ab 1945 stets mehr als 200 Tage im Jahr. Die Verkarstung hat also sehr rasch zugenommen. Ab und zu brechen im Flussbett größere Trichter ein. Gewaltige Wassermassen werden dabei eingeschlürft. Ein solch spektakulärer Fall wurde 1923 und 1935 und zuletzt am 24. Juni 1994 beobachtet. Es bildeten sich dabei vier große Trichter, die bis zu 3,5m tief waren und Durchmesser bis 2,5m hatten. Nach dem nächsten Hochwasser im Frühjahr waren die Einbrüche wieder mit Sand zugeschwemmt.

Die Versickerungsstellen sind ein großartiges Naturphänomen, das jedes Jahr viele Besucher anzieht. Das Touristikbüro in Tuttlingen veranstaltet nach Absprache Führungen, wobei noch viele interessante Details erläutert werden.

Der Einzugsbereich der Aachquelle beträgt ca. 300 km². Auch alle Niederschläge versickern im Karstgebirge und laufen unterirdisch zum Aachtopf oder treten in das Grundwasser ein. Mehrere Quellen in der Bodensee-Hegausenke führen Donauwasser, z.B. Quellen bei Engen, Beuren an der Aach oder auch bei Orsingen-Nenzingen, also sehr nahe am Bodensee.

Zwischen Hintschingen-Immendingen und Sigmaringen gibt es keinen aktiven Bach- oder Flusslauf, der von Süden her in die Donau mündet!

Das weiche Donauwasser mit Härtegrad 7 hat nach dem unterirdischen Durchlauf des Aachhöhlenlabyrinths 10 Härtegrade. Viele Tonnen Kalkstein werden somit ständig im Erdinneren aufgelöst und abtransportiert.

Vulkanische Aktivitäten im gesamten Bereich des Aachhöhlensystems dürften bei der Zerrüttung der Gesteinsschichten ebenfalls beteiligt sein. Hier einige Beispiele:

  1. Nur wenige 100m südlich der Versickerungsstellen im „Brühl” befinden sich vier Lagerstätten mit vulkanischen Tuffen.

  2. In südöstlicher Richtung im Gewann „Hardt” ist ein kleines Basaltvorkommen.

  3. Nahe dabei die Doline „Michelsloch” – Basalt. (und mehrere gewaltige Dolinen)

  4. Am „Talmannsberg” südlich Immendingen sind zwei Basaltgänge bekannt geworden.

  5. Im Keller der ehemaligen Maschinenfabrik Immendingen, direkt auf der „Immendingen Flexur” soll man ebenfalls Basalt gefunden haben.

  6. Das gesamte Vulkangebiet „Hewenegg” mit mehreren Durchbrüchen aus tiefen Schichten.

  7. Im Gebiet „Schopflen” Basalt.

  8. Im Distrikt „Rindersetze” wurde geomagnetisch ein größeres Tufflager erkannt.

  9. Westlich davon beim „Schopflocher Hof”, Basalt und Tuff.

  10. Nördlich vom Engener Altdorf wurden beim Bau der Bundesstr. 33 zwei kleine Basaltvorkommen festgestellt.

  11. Im Wasserburgertal direkt unter der Hochspannungsleitung – am östlichen Talhang – ebenfalls Basalt und das sehr nahe an der Aachquelle.
    GPS-Koordinaten: Rechtswert 3488540 und Hochwert 5304066

  12. Basaltvorkommen im Krebsbachtal, nahe der Tudoburg. Die Fundstelle ist recht klein, aber für die Aachhöhlenforschung deshalb interessant, weil sie östlich der Aachquelle liegt!
    GPS-Koordinaten: Rechtswert 3491500 und Hochwert 5304500

  13. Basaltgang am Bauplatz der Autobahnraststelle Engen, entdeckt im Juni 2003
    GPS-Koordinaten: Rechtswert 3483992 und Hochwert 5303021

  14. Basaltgang im Wasserburger Tal. Entdeckt am 03.08.2006

Es wäre also nicht sehr verwunderlich, wenn beim künftigen Vordringen in das Höhlensystem irgendwo Vulkanite festgestellt werden.

Die Durchlaufzeit des Donauwassers beträgt zwischen 20 und 60 Stunden. Durch immer wieder durchgeführte Markierungsversuche von Karsthydrogeologen ist diese Tatsache wissenschaftlich erfasst. Bei Austrittsmengen bis zu 28m³/s kann man sich leicht ausrechnen, wieviel Wasser im Erdinnern sein muss.

Nach dem Durchbruch der Höhlenforscher in das sicherlich weit verzweigte System, wird sich dort eine Wunderwelt von Gängen und Hallen auftun.

So ist dort das größte Höhlenlabyrinth von ganz Deutschland zu erwarten.

Roland Berka
Engen im Hegau,
Juli 2002 und 19.10.2006

 

Höhlentauchgruppe Aachprojekt
Text: Roland B+, Bild: Bernd H+, Layout: Joachim K+,
Letzte Änderung: 20.01.2008