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Anbringung einer Gedenktafel

 

Am 25.08.1979, verstarb der damals erst 19 Jahre alte angehende Höhlentaucher Petro Kok, durch einen tragischen Tauchunfall in der Aachhöhle.

Das Bild zeigt Jean-Luc Houssin am 19.06.2004 mit der Gedenktafel.

 

Hergang des Tauchunfalls:

Zusammen mit seinem Tauchpartner Norbert Barusel wollten die beiden Höhlentaucher in die große Seenhalle tauchen. Um die Begebenheiten besser kennen zulernen wollte Pedro Kok, zunächst den Eingangsbereich der Höhle erkunden, um am nächsten Tag den eigentlichen Tauchvorstoß zu unternehmen.

Seine Ausrüstung bestand lediglich aus einem 3 Liter Tauchgerät. Eine Führungsleine hatte er nicht ausgelegt.

Wer im Höhlentauchen versiert ist und sich in der Aachhöhle auskennt, der weiß genau, dass ein solcher Tauchgang eine Tauchfahrt in den Tod sein kann.

Die Schüttung war damals sehr gering und es war sicherlich für den Taucher leicht durch die Düse zu kommen. An der überhängenden Felswand hinunter bemerkte er wahrscheinlich nicht, dass er sich bereits in der Höhle befand. Eine andere Version wäre die, dass er wusste, dass er sich am Eingang befand und hat sich entschlossen, da ja noch genug Atemluft in seiner Flasche war, durch das schwarze Höhlenportal (Höllenportal) hindurchzutauchen.

Da jeder Flossenschlag die feinen Sedimente, die am Grund und an den Wänden der Höhle behaftet sind, in dicken Wolken aufsteigen und dem Taucher jegliche Sicht nehmen, hat der junge Pedro sicherlich die Orientierung verloren. Die Folge davon ist Siphonpanik, das Schlimmste was einem Höhlentaucher passieren kann.

Der Atem wird unruhig, Adrenalin wird ausgestoßen, denn das Gehirn signalisiert Gefahr. Der Taucher versucht durch stärkeres Atmen dies auszugleichen. Er schlägt noch mehr mit den Flossen es werden dadurch noch mehr Sedimente aufgewirbelt, die Sicht ist Null. Die Sedimente wirbeln an seiner Maske vorbei, ihm wird schwindelig, noch mehr Adrenalin wird ausgestoßen. Die Atemzüge werden immer heftiger, der Automat gibt viel zu wenig Luft.

Wo ist der Ausgang? Spätestens jetzt hat der Taucher verloren.

Sein Tauchpartner Norbert Barusel wartete draußen vergebens auf seine Rückkehr. Nachdem eine halbe Stunde vergangen war seit Pedro Kok hinabtauchte, wurde ihm klar, sein Freund war nicht mehr am Leben. Das Tauchgerät das sein Freund mitführte, reichte für 10 Minuten, allenfalls 15 Minuten. Sofort machte sich Norbert Barusel auf den Weg, um nach seinem Freund zu suchen. Er fand ihn leblos in der Eingangshalle der Aachhöhle schweben. Seine Unterwasserlampe brannte noch, deshalb konnte er ihn so schnell finden. Jedoch kam jede Hilfe zu spät, Pedro Kok war tot. Es wurde festgestellt, dass sein Tauchgerät noch 100 bar Druck hatte, das heißt, dass es lediglich bis zur Hälfte leergeatmet war. Dies lässt vermuten, dass Pedro Kok an Siphonpanik gestorben ist.

Der Laie fragt berechtigt; musste das sein oder hätte es verhindert werden können? Im nachhinein ist man immer schlauer.

Was waren die Fehler dieses Tauchers?

Zunächst muss erwähnt werden, dass Pedro Kok ein Anfänger in dieser extremen Disziplin war. Es fehlte ihm die nötige Erfahrung, wobei gesagt werden muss, dass es zur damaligen Zeit noch keine Ausbildung im Höhlentauchen gab. Jeder war auf sich selber angewiesen und griff auf die Erfahrung anderer zurück, soweit diese bereit waren von ihrer Erfahrung ein paar wertvolle Tipps weiterzugeben.

Die Ausrüstung war unzureichend.

Alle Ausrüstungsgegenstände müssen redundant vorhanden sein, das heißt immer doppelt oder dreifach.

Zum Beispiel: Zwei unabhängige Tauchgeräte aus denen getrennt geatmet werden kann, mehrfache Beleuchtung.

Der Kardinalfehler des verunglückten Pedro Kok war die Ignorierung einer Führungsleine. Hätte er eine Führungsleine ausgelegt, wäre er sicherlich wohlbehalten wieder aufgetaucht. (Oberster Grundsatz beim Höhlentauchen: Keinen Meter ohne Führungsleine!)

Bei meiner Ausbildungsarbeit im Höhlentauchen lege ich besonderen Wert auf eine ordentlich ausgelegte Führungsleine, denn sie ist der Ariadnefaden der mich wieder sicher zum Ausgang aus dem Labyrinth der Aachhöhle führt, wie einst der sagenhafte Theseus aus dem Labyrinth des Minotaurus.

Aus Anlass dieses tragischen Unfalls von Pedro Kok, fertigte ein Freund von ihm, Gerald Maier aus Waldshut, eine Gedenktafel aus Gusseisen. Die Gedenktafel trägt die Inschrift:

HIER AN DIESEM ORT IST
AM 25.8.1979 EIN TREUER FREUND

PEDRO JOHANNES KOK

IM ALTER VON 19 JAHREN
AUF TRAGISCHE WEISE BEIM
HÖHLENTAUCHEN UM 18 UHR ERTRUNKEN
WIR WERDEN IHN NIE VERGESSEN
SEINE HÖHLENFREUNDE

Bereits 1980 sollte die Gedenktafel in der Aachhöhle angebracht werden. Durch Irrwege wurde sie mir dieser Tage ausgehändigt.

Zunächst verbrachte sie Jahre in Waldshut beim Vater von Gerald Maier. Danach landete sie bei Detlef Kupke in Wiechs a.Randen. Dieser händigte sie dann unserm Vereinsmitglied Rene Joost aus, bei dem sie auch einige Zeit deponiert war. Schließlich übergab mir Rene die Tafel, die ich dann auch alsbald in der Aachhöhle, am Unglücksort anbrachte.

So geschehen am 2.Januar 1999.

 

Zusammen mit Jürgen Ullrich aus Schweinfurt, der nunmehr seit dem 28.12.1998 in Aach ansässig ist, tauchten wir zusammen den Quelltopf hinab. Die Sicht war gut, nur die Strömung war gewaltig. Jürgen übernahm den Transport der Tafel, die ihm durch ihre Schwere sehr zugute kam. Zunächst überwand ich die Düse unter Anstrengung. Erst einmal ausruhen um wieder normal atmen zu können. Jürgen war schon hinter mir, hatte aber größte Mühe mir zu folgen, jetzt da er beide Hände braucht um sich festzuhalten war die Tafel sehr hinderlich. In einer Nische in der nur wenig Strömung herrschte, befindet sich ein kleines Fenster in der Felswand, sozusagen eine Durchreiche. Mit meiner Lampe gab ich Jürgen Zeichen, die Tafel durch diese Felsöffnung hindurchzureichen. Dies funktionierte hervorragend und so konnte die Gedenktafel nach langer Zeit der Irrfahrt an ihrem vorgesehenen Platz angebracht werden.

Harald Schetter
2. Januar 1999

 

Am 18.07.2004 wurde die restaurierte Gedenktafel von Harald Schetter und Bernd Hugger in einer kleinen Nische gleich nach der Düse angebracht. Diese Aktion wurde vom SWF für die Sendereihe: "Schätze des Landes" mit dem Titel: "Wo die Donau sinkt und sickert" und dem Untertitel: "Ein Fluss verschwindet" gefilmt.

Bernd Hugger
1. Oktober 2005

 

Höhlentauchgruppe Aachprojekt
Literatur: SCHETTER H. (1991), SCHETTER H. (2003),
Text: Harald S+, Bernd H+, Bild und Layout: Joachim K+
Letzte Änderung: 22.10.2004