Georg Stauch am 17.12.2003 und 29.02.2004
Einführung:
Ich versuche, möglichst alle Aspekte der Geologie und der Speleogenese des Aachtopfes zu beschreiben. Manches, wie beispielsweise die dort vorhandenen Gesteinsschichten, ist durch Erkundungsbohrungen festgestellt worden, manches wird noch erforschbar und beweisbar sein, es wird aber auch manches eine These oder Hypothese bleiben. Mein Wunsch ist, dass wir mit den Thesen etc. nahe an der Wirklichkeit bleiben, insbesondere was die Speleogenese, die Entstehungsgeschichte der Höhle, betrifft.
Der gesamte geologische Aufbau vor Ort
Diese Beschreibung der hier vorherrschenden Gesteine hat vorerst einmal nichts mit der Höhle selber zu tun. Zwar erläutere ich hierbei schon, welche dieser Schichten überhaupt als höhlenbildend gelten, bzw. in welcher sich der bekannte Teil der Aachhöhle befindet, die Höhle selber wird aber einen eigenen großen Teil in meiner Beschreibung finden.
Der geologische Aufbau:
Die abgelagerten Gesteinsschichten liegen in dem betreffenden Bereich konkordant, d.h. sie sind nicht überkippt ect. sondern liegen in der selben Abfolge, wie sie einst abgelagert wurden.
In ca. 800-900m Tiefe befindet sich das Grundgebirge. Es besteht aus den Gesteinen des Varistischen Gebirges (Gneis und Granit), genauer gesagt dem sogenannten „Moldanubikum“, dem südlichsten Bereich dieses ehemaligen Gebirges.
Dieses Grundgebirge fällt mit den darüberliegenden Schichten des Paläozoikums (Rotliegendes und Zechstein), des Mesozoikums (Buntsandstein, Muschelkalk, Keuper, Schwarz- Braun- und Weißjura) immer weiter in Richtung der Alpen ab. Bereits auf Höhe des Allgäus liegen die Gesteine, die wir in unserem Bereich an der Erdoberfläche sehen schon mehr als 5 Kilometer unter dieser Oberfläche.
Die untenstehenden Tabellen geben einen Überblick der geologischen Zeitalter unseres Bereiches.
Nicht alles, was dort als Erdzeitalter beschrieben ist, liegt auch als Gestein vor! Die Sedimente, aus denen fast alle Gesteine dort bestehen, lagern sich nur dann ab, wenn wirklich Meeres- oder Seeverhältnisse geherrscht haben oder Flusssysteme Ablagerungen heranbrachten. Gesteine aus der Kreidezeit, wie wir sie beispielsweise aus der Ardeche in Frankreich kennen, werden hier nicht zu finden sein, da zur Kreidezeit hier kein Meer, sondern eine Festlandsperiode war.
Andere Gesteine, z.B. Gesteine des Molassebeckens, haben sich zwar dort abgelagert, sind aber längst wieder der Erosion zum Opfer gefallen und abgetragen worden.
Es handelt sich um 3 Tabellen.
In Fettschrift markiert ist der Bereich, in dem die Aachhöhle liegt oder liegen könnte.
Dieser jeweilige fettgeschriebene Bereich ist dann wiederum in der nächsten Tabelle detaillierter aufgegliedert usw.
Stratigraphische Tabelle, Quartär bis Paläozoikum
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Zeitalter |
System |
Serie |
Dauer |
von - bis |
Mächtigkeit |
Bemerkenswertes |
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Känozoikum |
Quartär |
Holozän |
0,01 Mio. Jahre |
0 bis 0,01 |
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Känozoikum |
Quartär |
Pleistozän |
2,49 Mio. Jahre |
0,01 bis 2,5 |
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Känozoikum |
Tertiär |
Pliozän |
2,6 Mio. Jahre |
2,5 bis 5,1 |
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Heraushebung des Alpenvorlandes |
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Känozoikum |
Tertiär |
Miozän |
19,5 Mio. Jahre |
5,1 bis 24,6 |
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Känozoikum |
Tertiär |
Oligozän |
1,4 Mio. Jahre |
24,6 bis 26,0 |
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Entstehung der Talmühle-Verwerfung |
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Känozoikum |
Tertiär |
Eozän |
28,9 Mio. Jahre |
26,0 bis 54,9 |
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Känozoikum |
Tertiär |
Paläozän |
11,1 Mio. Jahre |
54,9 bis 66,0 |
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Mesozoikum |
Kreide |
Oberkreide |
31,5 Mio. Jahre |
66 bis 97,5 |
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Mesozoikum |
Kreide |
Unterkreide |
43,5 Mio. Jahre |
97,5 bis 141 |
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Mesozoikum |
Jura |
Malm |
20,0 Mio. Jahre |
141 bis 161 |
350m |
Aachhöhle |
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Mesozoikum |
Jura |
Dogger |
24,0 Mio. Jahre |
161 bis 185 |
(113m) |
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Mesozoikum |
Jura |
Lias |
26,0 Mio. Jahre |
185 bis 211 |
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Mesozoikum |
Trias |
Keuper |
19,0 Mio. Jahre |
211 bis 230 |
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Mesozoikum |
Trias |
Muschelkalk |
14,0 Mio. Jahre |
230 bis 244 |
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Mesozoikum |
Trias |
Buntsandstein |
7,0 Mio. Jahre |
244 bis 251 |
kleiner 10m |
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Paläozoikum |
Perm |
Zechstein |
19,0 Mio. Jahre |
251 bis 270 |
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Paläozoikum |
Perm |
Rotliegendes |
20,0 Mio. Jahre |
270 bis 290 |
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Stratigraphische Tabelle des Malm = Weißjura, mit den benachbarten Schichten
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System |
Serie und Subserie |
Stufe |
lokale Gliederung |
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Kreide |
Untere Kreide |
Berriasium |
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Jura |
Malm (Weißer Jura) |
Portlandium = Thitonium |
x (zeta) |
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Jura |
Malm (Weißer Jura) |
Kimmeridgium |
c + d + e (gamma, delta, epsilon) |
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Jura |
Malm (Weißer Jura) |
Oxfordium |
a + b (alpha, beta) |
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Jura Jura |
Dogger (Brauner Jura) Malm |
Callovium
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e z.T + x (epsilon, zeta des Dogger) 20,0 Mio. Jahre |
Detaillierte Tabelle des Malm = Weißjura
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Stufe |
lokale Gliederung |
Gestein |
Ammonitenzonen |
Ammoniten Subzone |
Faunenhorizont |
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Portlandium = Thitonium |
x (zeta) |
Hangende Bankkalke |
Hybonoticeras hybonotum |
Planula |
wenzeli |
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Kimmeridgium |
x (zeta) |
Zementmergel |
Lithacoceras ulmense |
planula |
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Kimmeridgium |
x (zeta) |
Liegende Bankkalke |
tonnerensis |
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Kimmeridgium |
e (epsilon) |
Obere Felsenkalke |
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Kimmeridgium |
e (epsilon) |
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Kimmeridgium |
e (epsilon) |
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Kimmeridgium |
d (delta) |
Untere Felsenkalke |
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Kimmeridgium |
d (delta) |
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Kimmeridgium |
c (gamma) |
Lacunosamergel |
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Kimmeridgium |
c (gamma) |
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Kimmeridgium |
c (gamma) |
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Kimmeridgium |
b (beta) |
Wohlgeschichtete Kalke |
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Oxfordium |
a (alpha) |
Impressamergel |
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Oxfordium |
a (alpha) |
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Oxfordium |
a (alpha) |
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Wie wir sehen können, liegt die Aachhöhle im Bereich des Quelltopfes in den Kalken des Oberen Jura = Malm. Diese Gesteine sind vor rund 150 Millionen Jahren entstanden.
Vor 16000 - 18000 Jahren wurde das Aachhöhlensystem durch die würmeiszeitliche Schmelzwasserströme angeschnitten und so die heutige Aachquelle geschaffen. Das gesamte - sich nach Süden fortsetzende Labyrinth ist viel viel älter. Darüber wird noch heute gerätselt.
Literatur:
ERB, L. (1952); HÖLZL, H. & HUBER, W. (1972); KÄSS, W.(1973); KÄSS, W. (1987); KÄSS, W. & HÖLZL, H. (1973); SCHREINER, A. (1978); SCHREINER, A. (1984); SCHREINER, A. (1992); VILLINGER, E. (1977); VOGELSANG, D. & VILLINGER, E. (1987)
Hydrologie
Die Schwinden der Donau, die rund 60% des Quellwassers der Aach liefern, liegen im Oxford 2!
Das bedeutet, dass aufgrund der nach Süden fallenden Schichten, das Wasser der Donau gewissermaßen "aufsteigen" muss. Es steigt natürlich nicht hoch, es durchwandert nur die schräg gestellten Schichten auf dem Weg seines Gefälles von der Donau zum Aachtopf.
Das Wasser durchströmt also die Schichten des alpha, beta, gamma, epsilon und zeta auf dem Weg zwischen Donau und Aachtopf.
Eine Vorhersage zu machen, bei welcher Distanz von der Quelle die Höhle in welcher Schichtung verlaufen könnte, scheint auf den ersten Blick unmöglich.
Durch die unterschiedliche Härte und Löslichkeit der Gesteine, ist anzunehmen, dass der Verlauf der Höhle nicht gerade oder gleichmäßig sein wird. Das Wasser wird von manchen härteren Gesteinsschichten an diesem kontinuierlichen Aufstieg für eine bestimmte Strecke gehindert werden, also quasi streckenweise gezwungen, in einer "weicheren" Schicht zu bleiben. Die Schichten fallen gemeinhin in Richtung der Aachquelle ab, was bedeutet, dass in diesen weicheren Schichten das Höhlenprofil von einer gedachten (geraden) Linie zwischen der Donauversickerung und dem Quellaustritt nach unten abweicht.
An Bruchstellen in dem Gesteinspaket, auf welche in dem Kapitel "Tektonik" noch gesondert eingegangen wird, "springt" der Höhlenverlauf durch die genannten "harten" Schichten nach oben, bis er wieder auf eine -für die Höhlenbildung "bequeme"- Gesteinsschicht trifft, in der die Höhlenbildung schneller vonstatten gehen kann, als in denjenigen Schichten, die ein Hindernis in der schnellen Höhlenbildung darstellen. Wieder wird jetzt die Höhle von harten (in Richtung Aachtopf leicht abfallenden) Gesteinsschichten daran gehindert, die ideale "Luftlinie" zwischen Schwinde und Quelle einzunehmen.
Das hypothetische Aachtopfprofil gleicht also meiner Meinung nach dem Profil einer unregelmäßigen Sägezahnung. Auf einem langsam absinkenden Verlauf der Höhle (vergleichbar der "Freifläche" eines Sägezahnwinkels) folgt an Bruchstellen ein nahezu senkrechter Verlauf der Höhlen (etwa vergleichbar der "Spanfläche" eines Sägezahns).
Einen solchen "Zahn" begegnen wie im Bereich des Siphonschachtes, im Unterwasserteil des von der Quelle aus befahrbaren Höhlenbereiches.
Weitere solcher "Zähne" wird die Aachhöhle in ihrem Verlauf preisgeben, vermutlich werden zunehmend leicht ansteigende, zunehmend lufterfüllte Passagen mit abrupt abfallenden Siphonschächten abwechseln.
Somit bleibt für Spekulationen über den Tiefenverlauf der Aachhöhle das gesamte hydrogeologische Potential ("verkarstungsfähiger Schichtdickenbereich des anstehenden Gesteines")ab dem Thitonium (Aachquelle) bis hinunter in den Weißjura alpha = Oxfordium!
Es bleiben also -rein theoretisch- Spekulationen über eine Maximaltiefe von sage und schreibe über 300m!
Tektonik
Die Schichten fallen im betreffenden Gebiet mit 3% = 2° nach Südosten.
Eine besondere Rolle für den Verlauf der Aachhöhle, unmittelbar am Ende des jetzigen bekannten Verlaufes, scheint die sogenannte "Talmühle Verwerfung" zu spielen.
Diese Störung hat die sogenannte "herzynische Richtung" d.h. sie zieht von Nordwest nach Südost. Bei der Talmühle-Verwerfung liegt die Sprunghöhe (sichtbar im Wasserburger Tal) bei 40m nach Nordost hin. D.h. auf der nordöstlichen Seite dieser Verwerfung ist die Schichtenfolge um 40m tiefer "gerutscht" als auf der südwestlichen Seite. Die Aachhöhle schneidet diese Talmühle Verwerfung offensichtlich auf Höhe des sogenannten Siphonschachtes.
Nun könnte man erwarten, dass die Höhle ab diesem Punkt halbwegs stetig (mit nur 3% Steigung) auf dieser Tiefe verlaufen sollte. Dem ist aber nicht so, tatsächlich steigt der Verlauf der Höhle ab diesem Punkt mit ca. 30 - 40% an!
Das kann daran liegen, dass sich der Verlauf einer phreatischen Höhle ungeachtet der Tiefe bilden kann, wenn nur zwischen zwei Punkten ein komplett unter Wasser liegendes Gefälle besteht.
Möglicherweise liegt dieser Verlauf auch im Massenkalk, dessen (unbedeutende) Schichtung bei weitem nicht so ausgeprägt ist, als dass die Höhle ihren Verlauf überwiegend nach einer der Schichtfugen bildet.
Höhlentauchgruppe Aachprojekt
Text: Georg S+,
Layout: Joachim K+
Letzte Änderung am: 14.05.2004